Dorothee Wimmer

Open Access: Fokum eEvening Lecture Sommersemester 2021

Dr. Dorothee Wimmer, Berlin, spricht über:

Kunstpropaganda und Marktmacht: Rembrandt im Nationalsozialismus

Datum: zugänglich ab 10/05/2021
KuK TU Berlin-Link: https://youtu.be/OQh9ZQx7Yzs

Links: Betender Greis, in: Wilhelm Reinhold Valentiner (Hg.). Rembrandt: Des Meisters Gemälde in 643 Abbildungen / mit einer biographischen Einleitung von Adolf Rosenberg. 3. Aufl. Klassiker der Kunst 2. Stuttgart/Leipzig: Deutsche Verlagsanstalt, 1909, S. 459. Rechts: Hermann Göring beim Lesen in dieser Rembrandt-Publikation Valentiners im Musée du Jeu de Paume, neben ihm Bruno Lohse (Ausschnitt), AMN, O30-438, Courtesy: Paris, Archives des Musées nationaux.

++Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 finden im Sommersemester 2021 alle Veranstaltungen des Forums Kunst und Markt / Centre for Art Market Studies online statt.++

++Titel, Abstract und CV sind immer in der jeweiligen Vortragssprache wiedergegeben.++

Abstract: Rembrandt Harmenszoon van Rijn war ein niederländischer Maler, Radierer, Zeichner, Sammler und Unternehmer des 17. Jahrhunderts. Wieso konnte er dann um 1900 zum „nationalsten“ Künstler Deutschlands erklärt werden, zum „Erzieher des deutschen Volkes“, im Nationalsozialismus sogar zum „echten Arier und Germanen, […], auch wenn er gelegentlich seine Modelle aus dem Judenviertel von Amsterdam nahm?“ Und warum wagten die Museumsleiter auf der einberufenen „Ersten Tagung deutscher Museumsdirektoren“ im Jahr 1937 den Aufstand, als Rembrandt wenige Monate nach der Beschlagnahmeaktion zeitgenössischer Kunstwerke in deutschen Museumssammlungen zum „entarteten Ghetto-Künstler“ erklärt werden sollte? Welche Rolle spielte hierbei der nationalsozialistische Diktator Adolf Hitler, der Rembrandt als gleichsam gottgesegnetes, heroisches, „arisches“ Genievorbild verehrte, obwohl er um die „jüdischen“ Kontexte der Bildwerke dieses Künstlers wusste? Der Vortrag konturiert die ideologische Appropriation Rembrandts im Nationalsozialismus und rückt dabei die Dynamiken zwischen Marktmacht und Kunstpropaganda in den Fokus.

Dorothee Wimmer ist Direktorin des Forums Kunst und Markt / Centre for Art Market Studies (fokum.org), das sie 2012 zusammen mit Bénédicte Savoy und Johannes Nathan an der Technischen Universität Berlin gegründet hat, und Mitherausgeberin des Journal for Art Market Studies. Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Romanistik, Geschichte und Germanistik in Freiburg i. Br., Paris und Berlin hat sie an der FU Berlin über Das Verschwindens des Ichs. Das Menschenbild in der französischen Kunst, Literatur und Philosophie um 1960 promoviert. Von 2011 bis 2017 war sie Vorsitzende der Richard-Schöne-Gesellschaft für Museumsgeschichte e.V., 2015 erhielt sie einen Library Research Grant am Getty Research Institute in Los Angeles und 2017 war sie Teil des deutsch-französischen Hochschullehreraustausch-Programms des DAAD in Kooperation mit der Maison des Sciences de l’Homme. Sie forscht und publiziert zu den Spannungsfeldern und Dynamiken zwischen Kunst, Politik, Recht und Ökonomie.

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