Ulrike Scholz

VORTRAG AM MONTAG, 05/05/2014

Ulrike Scholz M.A., Hamburg, spricht über:

„Ein eigenartiger Erfolg meiner Museumslauferei.“ (Hans Stickel, 1955) Die Galerie Gerstenberger als Spiegel des bürgerlichen Kunstgeschmacks in der Weimarer Republik und Profiteur lukrativer Geschäfte im Nationalsozialismus.

Datum: 05/05/2014, 18:15 Uhr
Ort: Raum A 111, Architekturgebäude der TU, Straße des 17. Juni 150/152, 10623 Berlin

gerstenberger

++Titel, Abstract und CV sind immer in der jeweiligen Vortragssprache wiedergegeben.++

Abstract: Die Galerie Gerstenberger, 1902 von Hans Stickel in Chemnitz gegründet, etablierte sich schnell als erfolgreichste Kunsthandlung in der prosperierenden Industriestadt und konnte unter der Leitung von Wilhelm Grosshennig auch im gesamten deutschen Reich Bekanntheit erlangen. Die Ausstellungstätigkeit sowie das Angebotsprofils verdeutlichen die starke Orientierung der Galerie am Kunstgeschmack der potentiellen lokalen Käuferschicht, den Chemnitzer Großindustriellen. Diese Ausrichtung auf Verkaufserfolge zeigt sich insbesondere auch beim Handel mit niederländischen Kunstwerken des 17. und 18. Jahrhunderts, der ab Ende der 1920er Jahre zu konstatieren ist.

Mit Beginn des Nationalsozialismus war die Galerie Gerstenberger am Verkauf expressionistischer Kunstwerke aus dem Bestand der Chemnitzer Kunstsammlungen beteiligt. Dieser „Ausverkauf“ kann heute als besonders umfangreich beurteilt werden und nahm wahrscheinlich aufgrund der sehr frühen personellen Neubesetzungen im Chemnitzer Verwaltungswesen im Sinne der nationalsozialistischen Regierung ein solches Ausmaß an. Auch um andere, neue und lukrative Absatzmöglichkeiten bemühte sich Großhennig, beispielsweise indem er versuchte, verschiedene Reichsministerien als Käufer zu gewinnen oder an den „Sonderauftrag Linz“ zu verkaufen. Mit Gründung einer eigenen Galerie 1951 in Düsseldorf konnte Grosshennig direkt an seine Vorkriegserfolge und -kontakte anknüpfen und wurde vor allem für den Handel mit expressionistischer Kunst bekannt.

Ulrike Scholz hat von 2003 bis 2009 in Leipzig und Bologna Kunstgeschichte und Klassische Archäologie studiert, war wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Tübke-Stiftung und wissenschaftliche Volontärin am GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig. Sie ist Autorin des Allgemeinen Künstlerlexikons (de Gruyter Verlag) und erhielt für Ihr Dissertationsprojekt „Die Galerie Gerstenberger – Markt, Kunst- und Museumspolitik während der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus“ vom April 2011 bis zum März 2014 das Sächsische Landesstipendium am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München.

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