Fokum Evening Lecture Sommersemester 2026
TU BERLIN // ONLINE
Dr. Lisa Hackmann und Dr. Maike Steinkamp, Berlin, sprechen über:
Provenienzforschung ausstellen: Netzwerke des Surrealismus – die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch
Datum: 18. Mai 2026, 18:15-19:45 MEZ
TU Berlin Zoom-Link: https://tu-berlin.zoom-x.de/j/67860814167?pwd=HX53FTDRB9i2x1nIolKbdLI0t8GUUN.1

© Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz / David von Becker, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025
++Title, abstract and CV are always written in the respective language of presentation.++
Abstract: Wie kann Provenienzforschung ausgestellt werden? In welcher Form vermittelt man dabei die gewonnenen Erkenntnisse, die weit über die Frage nach unrechtmäßig entzogenem Kulturgut hinausgehen? Das waren die Herausforderungen, denen wir uns als Team aus Provenienzforschenden und Ausstellungsmacher:innen stellten, als wir uns 2025 entschlossen, die Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojektes zu den Provenienzen der Sammlung Pietzsch in einer Ausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das Berliner Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch hatte im Jahr 2010 große Teile seiner bedeutenden Kunstsammlung, die neben dem Surrealismus auch Werke des Abstrakten Expressionismus umfasst, dem Land Berlin geschenkt, damit sie als Leihgabe dauerhaft die Bestände der Neuen Nationalgalerie ergänzen. Eine solche Schenkung verpflichtet: Als öffentliches Museum trägt die Neue Nationalgalerie die Verantwortung, die Werke entsprechend der Washingtoner Prinzipien auf ihre Provenienzen und einen möglichen unrechtmäßigen Entzug hin zu überprüfen.
Der Vortrag skizziert zunächst Gegenstand, Vorgehen und die zentralen Erkenntnisse des Provenienzforschungsprojektes, um anschließend die konkreten Wege der Vermittlung dieser Erkenntnisse und deren historische Kontextualisierung in der Ausstellung zu konturieren. Denn schon früh kristallisierte sich heraus, dass sich durch die Untersuchung der Kunstwerke auch viel über die internationale surrealistische Bewegung selbst in Erfahrung bringen ließ: Die Objektbiografien berichten von Freundschaften, Netzwerken und Handelsbeziehungen und zeugen ebenso von Verlust, Verfolgung und Neuanfang während der Zeit des Nationalsozialismus. Den Abschluss des Vortrages bildet daher eine Reflexion: Liegt der hohe Publikumserfolg dieser Ausstellung auch darin begründet, dass Provenienzforschung immer auch historische Kunstmarkt- und Netzwerkforschung ist und somit die Biografien der Kunstwerke sowie der Menschen, die mit diesen handelten oder sie besaßen, sichtbar und erfahrbar macht?
Lisa Hackmann studierte Kunstgeschichte und Neuere deutsche Philologie in Leipzig, Berlin und Paris. Von 2010 bis 2015 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im deutsch-französischen Forschungsprojekt ArtTransForm an der TU Berlin zur Mobilität junger Maler:innen zwischen Frankreich und Deutschland im 19. Jahrhundert. 2018 war sie für das Projekt zum Kunstfund Gurlitt des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste tätig. Im Jahr 2020 schloss sie ihre von Bénédicte Savoy betreute Dissertation mit dem Titel Paul Delaroche – Das Phänomen globaler Berühmtheit im 19. Jahrhundert. Kunstöffentlichkeit – Kunstkritik – Kunstmarkt ab. Von 2020 bis 2022 war sie als Mitarbeiterin des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste u.a. mit jüdischen Kunstsammlungen und ihren Schicksalen während der NS-Zeit befasst. Von 2023 bis 2026 erforschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin die Provenienzen von Werken aus der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch und kuratierte 2025 zusammen mit Maike Steinkamp und Sven Haase die Ausstellung Max Ernst bis Dorothea Tanning. Netzwerke des Surrealismus. Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch. Seit Januar 2026 widmet sie sich den Provenienzen sämtlicher Dauerleihgaben des Landes Berlin, die sich in den Staatlichen Museen befinden.
Maike Steinkamp ist seit 2018 Kuratorin für die Kunst des 20. Jahrhunderts und die Sammlung Pietzsch an der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Kunst- und Kulturpolitik des 20. Jahrhunderts mit einem Fokus auf die deutschen und internationalen künstlerischen Entwicklungen ab den 1930er Jahren. Steinkamp promovierte in Kunstgeschichte mit einer Arbeit über die Rezeption „entarteter“ Kunst nach 1945 in der DDR. Sie arbeitete als Assistenzkuratorin an der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn und am Deutschen Historischen Museum in Berlin. Von 2005 bis 2012 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Kunstgeschichte der Universität Hamburg und 2009 Gastprofessorin am Smith College, Northampton, MA. Von 2012 bis 2017 war sie Kustodin der Stiftung Arp e.V., Berlin/Rolandswerth. In den letzten Jahren kuratierte Maike Steinkamp unter anderem die Sammlungspräsentation Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft 1945-2000 (2023–2026), Lygia Clark. Retrospektive (2025) und aktuell Brancusi in der Neuen Nationalgalerie. Zusammen mit Lisa Hackmann und Sven Haase verantwortete sie im Jahr 2025 die Ausstellung Max Ernst bis Dorothea Tanning. Netzwerke des Surrealismus. Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch.