Fokum Evening Lecture Summer Term 2026
TU BERLIN // ONLINE
Dr Ralph Jaeckel, Dr Anne Kuhlmann-Smirnov und Dr Ulrike Schmiegelt-Rietig, Potsdam, talk about:
„Bergungsort – Schicksalsort. Über die Wege von Kunstwerken aus Privatbesitz nach dem Zweiten Weltkrieg“
Evening lecture in cooperation with the Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Datum: Jule 6, 2026, 18:15-19:45 CET
TU Berlin Zoom-Link: https://tu-berlin.zoom-x.de/j/65195562463?pwd=H1aKkrpatzIUkygnoyA78FaFXyFTAT.1

Goltzow Castle, Zauch-Belzig district, Province of Brandenburg (Alexander Duncker Collection, 1850), file: Schloss Goltzow Sammlung Duncker.png (Wikimedia Commons, public domain); Bunker at Friedrichshain after demolition, Federal Archives, image 183-M1203-316 / Donath, Otto / CC-BY-SA 3.0; Yevgeny Ludzhuvit and colleagues, photograph from 1945 (detail), photograph: SPSG, Archive, photograph inventory number: F0006231; Flag of the Soviet Union, public domain (File: Flag of the Soviet Union (1936–1955).svg).
++Title, abstract and CV are always written in the respective language of presentation.++
Abstract: Während des Zweiten Weltkrieges wurden von den Berliner und Brandenburger Museen, Schlössern und Kulturbehörden weit mehr als fünfzig zentrale Verlagerungsorte genutzt, um öffentliche und private Kunstsammlungen vor den verheerendsten Einflüssen des Krieges zu schützen. Diese befanden sich sowohl in der Metropole Berlin als auch – im Verlauf des Krieges zunehmend – in der umgebenden Provinz Brandenburg sowie in weit entfernt liegenden Gebieten, die vor alliierten Luftangriffen sicherer erschienen. Hier entschied sich das Schicksal der verlagerten Werke nach den sich an diesen Orten auswirkenden weltgeschichtlichen und lokalen Einflüssen: Physische Zerstörung durch Beschuss oder Brand, Plünderung und Diebstahl durch die örtliche Bevölkerung, Flüchtende oder Soldaten der Besatzungsmächte, Einsickern in den Schwarzmarkt. Andere Werke kehrten nach Kriegsende direkt zu ihren Eigentümern zurück oder, im Westen des besetzten Deutschlands, mit Zwischenstation in den Central Collecting Points. In der sowjetisch besetzten Zone kam es zum Abtransport von etwa 2,6 Millionen Objekten in die UdSSR. Rund 1,5 Millionen von ihnen wurden ab den 1950er Jahren in die DDR restituiert. Schließlich kam es in den Gebieten jenseits von Oder und Neiße zur Übernahme umfangreicher Bestände privater Sammler:innen in polnischen Besitz – in einigen wenigen Fällen kehrten 1953 einzelne Stücke als “Freundschaftsgeschenk” des polnischen Volkes an das deutsche Brudervolk in die DDR zurück. Viele jedoch bleiben bis heute verschollen. Der Vortrag gibt Einblick in die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Private Kunstsammlungen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit. Kontexte der kriegsbedingten Kulturgutverlagerung unter besonderer Berücksichtigung der Abtransporte in die Sowjetunion“, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird.
Ralph Jaeckel studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Kunstwissenschaft und war im Anschluss wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Städtebau und Architektur bei der Bauakademie der DDR. 1999 promovierte er über die staatlichen Programme zur Erneuerung von Städten in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert. Ab 2005 war er als Provenienzforscher bei der damaligen Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg und bei einer privaten Firma für Familienforschung in Potsdam tätig. Im Rahmen der Initiative „Deutsch-Russischer Museumsdialog“ wertete er von 2008 bis 2019 bei der Kulturstiftung der Länder Transport- und Verteilungslisten kriegsbedingt in die Sowjetunion verbrachter Kulturgüter aus. Seit November 2023 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in dem durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekt „Private Kunstsammlungen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit. Kontexte der kriegsbedingten Kulturgutverlagerung unter besonderer Berücksichtigung der Abtransporte in die Sowjetunion“. Im ersten vom November 2023 bis November 2025 realisierten Projekt untersuchte er Vorgänge bei den Sicherungsmaßnahmen für Kunstwerke aus privatem Besitz in Berlin. In dem nun laufenden Projekt erforscht er vergleichbare Entwicklungen in Dessau und der Region Anhalt.
Anne Kuhlmann-Smirnov studierte an der Universität Bremen Kulturgeschichte Ost- und Ostmitteleuropas, Germanistik und Amerikanistik, promovierte im Feld der Black European Studies, und war ab 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe „Kriegsverluste deutscher Museen“ der Initiative “Deutsch-Russischer Museumsdialog” der Kulturstiftung der Länder und Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Auswertung von Transportlisten des sowjetischen Kunstkomitees aus Deutschland in die Sowjetunion). Von November 2023 bis November 2025 war sie Mitarbeiterin im vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt „Private Kunstsammlungen im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit. Kontexte der kriegsbedingten Kulturgutverlagerung unter besonderer Berücksichtigung der Abtransporte in die Sowjetunion“ mit Schwerpunkt auf dem Bergungsgeschehen in der Provinz (Mark) Brandenburg, seit November 2025 in einem Nachfolgeprojekt fokussiert auf das Geschehen in Dresden und Sachsen.
Ulrike Schmiegelt-Rietig studierte Kunstgeschichte, Osteuropäische Geschichte und Slawische Philologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und – als Stipendiatin des DAAD – an der RGGU [Rossijskij Gosudarstvennyj Gumanitarnyj Universitet] in Moskau. An der Universität Kiel wurde sie mit einer Arbeit über das Bildprogramm der Wladimirkathedrale in Kiew promoviert („Eine Geschichte von Heiligen und Helden. Das Bildprogramm der Vladimirkathedrale in Kiev“, Köln, Weimar 2018). Nach einem Volontariat am Deutschen Historischen Museum war sie zwischen 2000 und 2012 ebendort sowie am Museum Berlin-Karlshorst und bei der Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen als Ausstellungskuratorin tätig. Sie arbeitete unter anderem an den Ausstellungen „Mythen der Nationen. 1945. Arena der Erinnerungen“ (DHM 2004), „Verführung Freiheit. Kunst in Europa seit 1945 (DHM 2012) mit und kuratierte das Multimediaprojekt „Wir waren so frei … Momentaufnahmen 1989/1990“ (Deutsche Kinemathek 2009). Von 2012 bis 2014 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für das von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungsprojekt „Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, zusammen mit den Historikerinnen Corinna Kuhr-Korolev und Elena Zubkova unter der wissenschaftlichen Leitung von Wolfgang Eichwede. Die Forschungsergebnisse wurden in dem Band „Raub und Rettung. Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“ publiziert. Von April 2015 bis März 2020 war Ulrike Schmiegelt-Rietig Provenienzforscherin an der Zentralen Stelle für Provenienzforschung in Hessen mit Sitz am Museum Wiesbaden. Seit April 2020 arbeitet sie als hauptamtliche Provenienzforscherin bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam.